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Sport Regional
18.11.2021
18.11.2021 09:27 Uhr

Ist der HCD schon reif für den Titel?

Meisterträume: Der HC Davos steht auf Rang 1 der National League.
Meisterträume: Der HC Davos steht auf Rang 1 der National League. Bild: Keystone-SDA
Am Dienstag schlug der HC Davos Meister EV Zug 2:0 und feierte dabei den zwölften Erfolg aus den letzten 13 Spielen. Ist der HCD nach der legendären Ära von Erfolgscoach Arno Del Curto schon wieder fähig, Meister zu werden?

Der HC Davos ist seit zwei Runden Leader der National League. Die Bündner erzielten in den ersten 22 Runden klar am meisten Tore (79). Und lediglich 50 Gegentreffer weisen nur noch die ZSC Lions auf, die aber zwei Spiele weniger bestritten haben. Als der HCD letztmals, im Januar 2015, die Tabellenführung übernommen hatte, wurde er am Ende der Saison auch zum letzten Mal Meister.

Titel-Träume sind im Landwassertal also wieder erlaubt. Knapp drei Jahre nach dem Ende von Arno Del Curtos Trainer-Tätigkeit wirkt der aktuelle Leader fast so unwiderstehlich wie zu Del Curtos Erfolgszeiten. Auch wenn Wortführer wie Trainer Christian Wohlwend, Sportchef Jan Alston oder der unermüdliche Dauer-Leister Andres Ambühl den Puck flach halten. Alston etwa sieht für das junge Team die Zeit der Bestätigung erst noch kommen.

Und HCD-Captain Andres Ambühl (38) wiegelt gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA gezielt ab: "Über 2015 müssen wir nicht gross nachdenken. Es sind erst 22 Spiele gespielt. Wir müssen demütig bleiben." Für Trainer Christian Wohlwend ist die tiefe Gegentor-Quote in seiner dritten Saison als Headcoach in der National League und bei Davos die grösste Genugtuung.

Keine Frage ist, dass die drei neu verpflichteten Ausländer Mathias Bromé, Matej Stransky und Dennis Rasmussen ausnahmslos einschlugen. Geblieben ist einzig Magnus Nygren, der am Dienstag das 2:0 erzielte. Nygrens schwedischer Landsmann, Topskorer Bromé, punktete als Vorbereiter jenes Treffers und damit im 13. Spiel in Folge. Doch nicht nur die Skorerwerte der neuen Ausländer, sondern auch deren vorzügliche Defensivarbeit hat sich gegenüber der letzten, missratenen Saison mit dem Out in den Pre-Playoffs deutlich verbessert.

Vierte Linie und Goalie-Duo top

Zum Erfolg trägt auch die wohl stärkste vierte Sturmlinie der Liga mit den ungemein agilen Chris Egli, Julian Schmutz und Yannick Frehner bei, die oft gegen die Top-Linien des Gegners agiert und trotzdem das Eis wiederholt mit einer Plus-Bilanz verlässt. Im Powerplay ist Davos die Nummer 2, im Boxplay die Nummer 1 der Liga. "Wir haben viele Spieler, die in Unterzahl spielen können. So bleiben wir frisch und können Druck erzeugen", weiss Ambühl.

Mit Gilles Senn und Sandro Aeschlimann verfügen die Bündner zudem über das aktuell herausragendste Goalie-Duo der Liga. Trainer Wohlwend betont: "Es ist nicht mehr möglich, nur mit einem Goalie erfolgreich zu sein. Die Energiereserven müssen zu 100 Prozent aufgeladen sein. Es gibt keine Nummer 1 oder Nummer 2 mehr. Beide werden vom Energiehaushalt eingesetzt, um top zu performen."

Natürlich spielt es dem 31-fachen Meister auch in die Karten, dass er bisher nur wenige verletzungsbedingte Ausfälle zu beklagen hatte. In der Premieren-Saison unter Wohlwend hatten die Bündner vor zwei Jahren die Regular Season bereits im imponierenden 3. Rang mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Qualifikationssieger ZSC Lions beendet. Diesmal ist der HCD mit dem verstärkten defensiven Ausrichtung und einer tieferen Gegentor-Quote noch höher einzustufen.

Offene Rechnung am Spengler Cup

Auch Trainer Wohlwend hat sich weiterentwickelt. "Ich bin viel ruhiger geworden. Das überträgt sich auf das Team." Captain Ambühl bestätigt die Selbsteinschätzung des Trainers. "Er hat die Emotionen noch besser unter Kontrolle. Das strahlt sich auch auf die Mannschaft aus. Dies ist sicher der grosse Unterschied im Vergleich zum ersten Jahr."

Vorrangiges Ziel für Davos ist "nur" die Sicherung der direkten Teilnahme an den Playoff-Viertelfinals, also eine Top-6-Platzierung. "Wenn du sauber defensiv arbeitest, kommt das andere automatisch", so Ambühl. Kein Schelm ist, wer daraus ableitet, dass der Rekordmeister die Titelreife Schritt für Schritt ins Visier nimmt.

Die erste Möglichkeit für einen Trophäen-Gewinn wird sich dem HCD bereits in der Altjahreswoche bieten. Als Gastgeber des legendären Spengler Cups wird vom 15-fachen Gewinner nach der letzten Austragung von 2019 (Out im Viertelfinal u.a. wegen geschonten Spielern) eine Korrektur gefordert. Und selbst beim hochdekorierten Veteranen Ambühl erkennt man das Funkeln in den Augen, wenn er sagt: "Das ist ein Hockey-Fest, auf das ich mich extrem freue."

«Ich bin viel ruhiger geworden. Das überträgt sich auf das Team.»
Christian Wohlwend, Trainer HC Davos
Richard Stoffel (Keystone-SDA)