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St.Gallen protestiert gegen patriarchale Gewalt

(Symbolbild)
(Symbolbild) Bild: unsplash.com
Ab dem 25. November startet die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an FINTA-Personen». Trotz hoher Dunkelziffer wurden im letzten Jahr rund 21'000 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet, 70 Prozent davon betrafen FINTA-Personen. In diesem Jahr wurden zudem mindestens 28 Feminizide registriert – ein alarmierender Befund, der am 29. November 2025 in St.Gallen auf die Strasse bringt.

Die Kampagne macht deutlich, dass Gewalt gegen FINTA-Personen allgegenwärtig ist und jede Person treffen kann. Sie darf jedoch niemals zum Normalzustand werden. Der Staat sei gefordert, ebenso die Gesellschaft.

Neue Narrative: Patriarchale Gewalt klar benennen

Die Organisatoren betonen, dass Sprache prägt, wie eine Gesellschaft Gewalt versteht. Medien, Politik, Polizei und Justiz müssten patriarchale Gewalt klar benennen, statt sie zu verharmlosen. Begriffe wie «Familiendrama», «Ehrenmord» oder «Tat aus Leidenschaft» verschleierten die Realität. Ein Mann töte nicht aus Liebe.

Gefordert wird eine konsequente Benennung als Feminizid, Transizid und Infantizid. Denn Morde an FINTA-Personen seien die Spitze eines Eisbergs, unter dem strukturelle Gewalt, Ausbeutung im Kapitalismus und Bedrohungen durch faschistische Ideologien liegen.

Keine rassistische Ablenkungsstrategie

Die Kampagne hält fest: Patriarchale Gewalt ist kein «importiertes Problem». Sie sei unabhängig von der Herkunft der Täter im patriarchalen System verankert. Deshalb wird ein Ende rassistischer Ablenkungsstrategien gefordert, die Gewalt fälschlicherweise kulturell oder ethnisch externalisieren.

Schutz in Asylunterkünften

Die Bedingungen in vielen Asylunterkünften seien untragbar und gewaltfördernd. FINTA-Personen und Kinder seien besonders gefährdet. Der Zwischenbericht zur Istanbul-Konvention zeige klar, dass der Staat seiner Verantwortung nicht nachkomme. Gefordert werden sichere Unterkünfte, Schutzkonzepte sowie ein Zugang zu Unterstützung ohne Angst vor Abschiebung.

Menschenrechtlicher Schutz für queere Personen

Kritisiert wird ausserdem, dass sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität in der Schweiz nicht konsequent als Fluchtgrund anerkannt werden, obwohl queere Personen weltweit verfolgt werden.

Lokale Verantwortung in St.Gallen

Das Frauenhaus St.Gallen ist massiv überlastet, die Wartelisten sind voll. Seit 1980 leistet es zentrale Unterstützung, doch Plätze und vor allem finanzielle Mittel fehlen.

Leandra Breu vom FINTA-Treff erklärt:
«Wir erleben jeden Tag, dass Betroffene keinen sicheren Platz finden, weil Strukturen versagen. Deshalb fordern wir zusätzliche Notplätze, sofort und ohne Ausreden. Wir fordern ein städtisches Awareness-Konzept, das patriarchale Gewalt klar benennt, sichtbar macht und konsequent bekämpft. Und wir fordern verbindliche Bildungsangebote zu patriarchaler Gewalt und Diskriminierung, damit Prävention endlich ernst genommen wird und nicht länger dem Zufall überlassen bleibt. Wer Gewalt verhindern will, muss handeln – nicht warten.»

Eigenverantwortung und Solidarität

Die Organisatoren setzen auf Veränderung «von unten» statt auf staatliches Warten. Wenn eine FINTA-Person Gewalt erlebt, dürfe niemand wegschauen. Schweigen mache mitschuldig.

Explizit werden CIS-Männer aufgefordert:

  • ihre Privilegien zu reflektieren
  • Gewalt klar zu benennen
  • Verantwortung zu übernehmen

Es dürfe nicht sein, dass Betroffene diese Kämpfe allein führen müssen. Die Botschaft lautet klar: «Das Private ist politisch. Helft endlich mit.»

Begrifferklärungen

FemiNizid:
Bezeichnet die Tötung einer FINTA-Person aufgrund ihres Geschlechts. Der Begriff macht sichtbar, dass solche Gewalt systematisch ist und der Staat mitverantwortlich ist. Im häufig verwendeten Begriff «Femizid» wird die Rolle des Staates nicht berücksichtigt.

FINTA:
Akronym für Frauen, intergeschlechtliche, non-binäre, trans und agender Personen. Der Begriff macht deutlich, dass nicht nur Frauen, sondern mehrere Gruppen patriarchaler Gewalt ausgesetzt sind.

pd/ako