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09.01.2022
07.01.2022 15:06 Uhr

«Es Telefon i jedes Hus»

Aufnahme aus den 1930er-Jahren: Der Vättner Albert Kressig (1895–1948) in der Telefonzentrale des ehemaligen Hotels Hof Ragaz. 
Aufnahme aus den 1930er-Jahren: Der Vättner Albert Kressig (1895–1948) in der Telefonzentrale des ehemaligen Hotels Hof Ragaz.  Bild: Privatsammlung Rösli Kressig
Von den Anfängen des Telefons in Privathaushalten, Geschäften und militärischen Einrichtungen.* (Karin Heiz, Terra plana, Juni 2011)
«Terra plana» – die Zeitschrift für Kultur, Geschichte, Tourismus und Wirtschaft Bild: Terra plana

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terraplana@sarganserlaender.ch

Der Telefondienst reibt ihn auf. Denn es gibt immer neue Abonnenten und Mehrarbeit. Er ist so «überanstrengt», dass ihm die Ärzte Ruhe und Erholung empfohlen haben. Das schreibt der Leiter des Postbüros, B. Rheiner, im Mai 1894 an die Kreispostdirektion in St. Gallen. Er fügt an, er müsse daher für den kommenden Monat ein Urlaubsgesuch stellen. Gleichzeitig meldet er, dass seine Gehilfin Wilhelmina Rheiner «infolge Verehelichung sich nicht mehr als beständige Gehülfin mir widmen kann; respektive dem Bureaudienst». Eine Nachfolgerin hätte er, doch diese verlange mehr Lohn. Sollte die Direktion in Bern nicht einwilligen, müssten die Dienstzweige getrennt werden. Er selber wolle das Postbüro behalten. Doch für den Telefondienst gebe es genügend Platz im Haus.

Postbüro und Umschaltstation in einem waren in der Anfangszeit die Regel. Denn so liessen sich Personalkosten und Lokalmieten sparen. Die Telegrafenverwaltung entlöhnte die Person, die mit dem Umschaltdienst betraut war. Im Fall von Buchs sicherte sich die Verwaltung mit einem «Garantieschein» bei der Gemeinde ab, dass die Station genügend Geld einbrachte. Der Gemeinderat garantierte von 1888 bis 1893 eine jährliche Mindesteinnahme von 1100 Franken aus Gesprächstaxen. Nur gerade für ein Jahr verpflichtete sich die Gemeinde Malans, ein Telefonabonnement zu übernehmen. Die Kreistelegrafendirektion Chur bemerkt, dafür habe es langwierige Verhandlungen gebraucht. Aus dem Schreiben vom März 1927 geht jedoch hervor, dass es wohl zu einer Verlängerung des Abonnements komme. Auch hier beherbergte das Postbüro die Umschaltstation. Den Dienst besorgte der Posthalter J. Hitz.

Blut geschwitzt

Wenn immer in der Umschaltstation die Nummernklappe eines Abonnenten herunterfiel, meldete sich die Telefonistin mit: «Was beliebt?» War die gewünschte Person erreichbar, stellte die Telefonistin eine Verbindung zwischen den beiden Teilnehmern her. Sobald sie sich vergewissert hatte, dass beide miteinander sprachen, musste sie sich aus der Verbindung ausschalten. «Ich habe Blut geschwitzt», erinnert sich heute noch Sepp Bonderer aus Vättis. Denn von einem Tag auf den anderen musste er die Telefonzentrale im Bahnhofbuffet in Zürich übernehmen. Das war 1939. Wollte der Küchenchef beim Obsthändler in Malans bestellen, rief er zuerst die Telefonzentrale an. Dort nahm Bonderer mit einer Schnur den Anruf entgegen und verband ihn mit der andern. Wie man das macht, brachte sich der 17-jährige selber bei. Und er merkte, dass ihm diese Arbeit Spass machte.

Nach sechs Jahren als Telefonist in Zürich zog es ihn nach Graubünden. Bis 1965 bediente er im Sommer die Telefonzentrale im Kurhaus Tarasp und im Winter jene im Grand Hotel Tschuggen in Arosa. Langweilig wurde es ihm dabei nie. «Geben Sie mir New York», «Bonderer, gib mir Bern» – jeder Anruf lief über die Telefonzentrale. So wusste Bonderer immer, was los war. Wer mit wem in den Ausgang ging, wer mit wem Kontakte pflegte, all das erfuhr er. Zu Beginn fand er es interessant, am Privatleben der Gäste teilnehmen zu können. Doch mit zunehmendem Alter sei man nicht mehr so neugierig, sagt er rückblickend. Auch wenn er viel wusste, ausgeplappert hat er nichts. Denn Verschwiegenheit galt als oberstes Gebot eines Telefonisten.

Beim Vermitteln von Anrufen kam es auch zu Beleidigungen der Telefonistinnen. So verlangte ein Herr von einem Gasthaus in Rieden aus eine Verbindung mit einem Abonnenten in Uznach. Die Telefonistin in Kaltbrunn fragte ihn, von welcher Station er spreche. Das war ihre Pflicht. Er antwortete mit: «Du alti chaibe Schnörre, es gat dich en Dreck a.» Zwei Tage später schrieb F. Zwicky vom Telefonbüro Glarus einen Brief an die Wirtsleute. Er wies sie darauf hin, dass sie verantwortlich seien für Beleidigungen, die von ihrem Apparat aus erfolgten. Weiter ersuchte er sie, den betreffenden Herrn aufzufordern, sich schriftlich zu entschuldigen. Unterlasse er das, würde Klage bei der Oberbehörde erhoben. So weit kam es jedoch nicht. Der Herr antwortete, die Telefonistin habe ihn nach seinem Namen gefragt. «Das wird Sie en Dreck ago», habe er ihr da geantwortet. Das mit der «Schnörre» habe er nur zu sich selber gesagt. Offenbar habe sie das jedoch gehört.

In der Telefonzentrale Schänis: Die Telefonistin Katharina Bechter-Hösli.  Bild: Privatsammlung Alfred Fäh

Hörer und Mikrofon waren zu Beginn getrennt

Beim ersten Telefonsystem, dem sogenannten Lokalbatteriesystem, verfügte jedes Telefongerät über eine Batterie. Die Geräte hingen an einer Wand und waren aus Holz. Wie man sie bedient, stand in der damaligen Version der heutigen Telefonbücher. Den Hörer galt es fest ans Ohr zu halten. Manche Telefone hatten sogar einen zweiten Hörer, damit man die Person am anderen Ende besser verstand oder eine zweite Person mithören konnte. Zum Sprechen stellte man sich in einem Abstand von zehn bis zwanzig Zentimetern vor das Mikrofon. Drehte man die Kurbel an der Seite des Telefons, fiel in der Vermittlungsstation die Nummernklappe des Abonnenten herunter. Darauf meldete sich die Telefonistin mit: «Was beliebt?» Manche Geräte hatten anstelle der Kurbel eine Ruftaste. Drückte man diese während zwei bis drei Sekunden, meldete sich ebenfalls die Telefonistin. Am Ende des Telefonats hängten beide Gesprächsteilnehmer auf. Der Anrufende kurbelte oder drückte die Ruftaste nochmals. So wusste die Telefonistin, dass die Leitungen wieder frei waren.

Auch die Armee verwendete für ih-re Feldstationen Telefongeräte mit Lokalbatterie. Das schlug sich im Gewicht nieder. Knapp neun Kilogramm wog das Feldtelefon Modell 25 (S Tf25), das die Armee zwischen 1903 und 1930 beschaffte. Es wurde in einen Ledertornister eingebaut, den man mit seinen Tragriemen wie einen Rucksack tragen konnte. Angenehm war das Tragen trotzdem nicht. Denn im Gegensatz zu einem Rucksack war der Tornister hart und überhaupt nicht ergonomisch geformt. Doch das Telefon diente verschiedenen Kompanien bis 1956, als die letzten Geräte liquidiert wurden. Im Zweiten Weltkrieg kam es auch in der Festung Magletsch zum Einsatz. Dort ist heute ein Exemplar ausgestellt, das kaum jemand benutzt hatte. Noch schwerer war das Armeetelefon Modell 47 (A Tf47). Es wurde in einen Eichenholzkasten eingebaut und konnte ebenfalls mit Riemen am Rücken getragen werden. Bruno Schoch, der ursprünglich Dienst als Übermittlungssoldat der Festungsartillerie leistete, lobt auch bei diesem Telefon den Tragkomfort nicht. Das Gerät wurde vorwiegend bei der Feld- und Festungsartillerie eingesetzt. Dank seiner robusten Bauweise stand es bis 1980 im Einsatz, als es ausgemustert wurde.

Zahl der Sammler ist gross

Tischtelefone gab es in der Schweiz erst ab etwa 1900. Damals führte die Telefondirektion das Modell 1892 von Lars Magnus Ericsson ein. Wegen seines eigenwilligen Designs bekam es in den USA bald den Spitznamen «Eiffel Tower» und in Australien «Skeleton». Denn die Konstruktion wird bewusst sichtbar gelassen und nicht wie bei den späteren Geräten hinter einer Bakelit- oder Plastikverkleidung versteckt. Als grosse Neuerung kombinierte der Telefonhörer die Hörmuschel und das Mikrofon. Das führte zu einer riesigen Nachfrage. Ericsson baute es von 1892 bis 1929 und verkaufte etwa eine Million Geräte. Noch heute gilt es als der Klassiker unter den Tischtelefonen und ist entsprechend begehrt. Das Telefonmuseum Telephonica in Islikon TG zeigt ein Exemplar mit reichen Intarsien an den vier Füssen. Im Internet lassen sich immer wieder Geräte ersteigern. In Brockenhäusern sucht man sie vergebens. Im Brockenhaus Buchs finden Telefone mit Wählscheibe innerhalb weniger Tage einen Käufer. Bei Telefonen mit Holzgehäuse und Messingrand geht es noch schneller. Denn die Zahl der Sammler ist gross, vor allem unter jenen, die nicht mehr mit diesen Geräten telefoniert haben. Aber auch neuere Modelle aus Bakelit gehen schnell weg. Diese Geräte sind fast unverwüstlich und funktionieren selbst nach Jahren in einem Estrich oder Tenn. Die gleiche Erfahrung macht man im Brockehus Sarganserland.

Fernleitungen ab 1883 erstellt

Egal ob Wandstation oder Tischtelefon, mit Kurbel oder Rufknopf – damit ein Gespräch zustandekam, brauchte es ein Telefonnetz. Dabei galt es, ein lokales Netz aufzubauen und die Netze miteinander zu verbinden. Ab 1883 wurden zwischen den Städten die ersten Fernleitungen erstellt. Zehn Jahre später führte eine Leitung von St. Gallen über Altstätten und Buchs nach Ragaz, wo sie auf die Leitung von Zürich traf. Von Ragaz aus führte eine weiter nach Davos und die andere via Chur nach St. Moritz. Das Fürstentum Liechtenstein war damals noch nicht an die Fernleitung angeschlossen. Im Jahr 1890 wollte die Firma Jenny mit einer Weberei in Triesen und einer Spinnerei in Vaduz an die Zentralstation Buchs angeschlossen werden. Das bedingte Verhandlungen mit dem Handelsministerium in Wien. 1895 willigte die Regierung des Fürstentums Liechtenstein im Einverständnis mit dem K. K. Handelsministerium in Wien und der K. K. Post- und Telegraphen-Direktion in Innsbruck ein. Die Telegrafendirektion in Bern erklärte sich auch einverstanden. So konnte die Firma je einen Anschluss für Vaduz und einen für Triesen erstellen. Das Telegrafenbüro in Ragaz legte die Linienführung fest: Die Drähte wurden bei Stange Nr. 369 der Linie Ragaz–Buchs über den Rhein gezogen. Für die Kosten für die Anlage und die Apparate kam die Firma auf.

Eine Tätigkeit im Zentrum des Geschehens: Sepp Bonderer wusste als Telefonist in einem Hotel immer, was los war und wer mit wem Kontakte pflegte. Bild: Privatsammlung Sepp Bonderer

Für regen Briefwechsel sorgte auch der Bau einer Telefonverbindung zwischen dem Post- und Telegrafenbüro Maienfeld und den Festungswerken Luzisteig. Im Juli 1898 fragte der Waffenchef des Genie 73/14 die Telegrafendirektion in Bern an, ob eine Telefonverbindung erstellt werden könne. Die Oberpostdirektion willigte ein. Mit dem Bau der Leitung wurde die Telefoninspektion Chur beauftragt. Im November wurde die Leitung in Betrieb genommen. Kurz darauf ermächtigte der Waffenchef Genie den Aufseher der Festungswerke, in seiner Wohnung eine Anrufglocke für das Telefon anzuschaffen.

Dienstleistungsunternehmen mit ersten Anschlüssen

Als am 1. Dezember 1888 die Telefonleitung von Buchs nach Altstätten in Betrieb genommen wurde, gab es in Buchs nur neun Abonnenten. Die Zentrale Kaltbrunn fing 1894 gerade mal mit einem Abonnenten an: Julius Schubiger, Hof Oberkirch und Brückenwaage. Innerhalb der nächsten sieben Jahre stieg die Zahl auf sechs an: Dr. med. Jb. Steiner, J. Steiner vom Gasthof Hirschen, C. Jos. Fäh von der Bruggenmühle, Franz Fäh von der Metzgerei zum Rössli und Weber & Co., Stickerei. Als Privatperson hatte man bis zur Jahrhundertwende nur selten einen Anschluss. Auch eigentliche Produktionsbetriebe gehörten eher zu den späteren Abonnenten. Daher entwickelte sich die Anzahl Abonnenten nur zögerlich. In der Zentrale Kaltbrunn gab es 1911 insgesamt 20 Anschlüsse, 50 Jahre später zählte man 445. In den folgenden Jahren nahm die Zahl der Abonnenten rascher zu. Daher richtete man 1986 eine Telefonzentrale für 8000 Abonnenten ein.

Am Anfang hatten vor allem Dienstleistungsunternehmen wie Gasthöfe oder Fuhrhalter einen Anschluss. In Malans gehörte das Restaurant Krone zu den ersten, die ein Telefon hatten. Anton Boner, Sohn der Wirtsleute, musste als Knabe jeweils die Nachbarn ans Telefon rufen. Die Gespräche führten sie jeweils im Gang. Stand die Türe offen, konnten alle mithören. Genauso wie heute, wo Leute in der Öffentlichkeit telefonieren. Dass das Restaurant früh ein Telefon hatte, führt Boner auf rein praktische Gründe zurück. Gäste wollten telefonisch reservieren, und wenn seine Eltern telefonisch bestellten, traf die Ware schneller ein. Glück im Unglück hatte ein Bauer, von dem sie Eier bezogen. Als bei ihm ein Brand ausbrach, kam ihm die Nummer der Feuerwehr nicht in den Sinn. Doch die Nummer der «Krone» wusste er. So rief er dort an und bat um Hilfe. 

Margrith Good aus Mels erinnert sich, dass sie in ihrer Fuhrhalterei Ende der 40er-Jahre schon ein Telefon hatten. Manchmal mussten sie auch ihren Nachbarn Anrufe ausrichten. Da wurde zum Beispiel um Hilfe beim Heu-abladen oder bei der Kartoffelernte gebeten. Auch wenn jemand nicht wie vereinbart heimkam, rief man bei Goods an. In dringenden Fällen durften die Nachbarn ihr Telefon in der Stube benutzen. Ein spezieller Telefonwecker zeigte an, wie viele Minuten das Gespräch dauerte. Nur einer hielt sich nicht an die Regelung, das Telefon nur in Notfällen zu benutzen: Ein junger Nachbar gab Goods Nummer an seine Geliebte weiter. Von da an telefonierte er immer wieder in ihrer Stube, hinter verschlossener Türe, wie Good anfügt.

In Vättis präsentiert sich ein ähnliches Bild. Der Ort bekam am 26. Juli 1895 ein Telefonnetz. Das erste Telefon war im damaligen Hotel Lerche, der heutigen Alpinen Schule Vättis. Das Hotel beherbergte auch die erste Poststelle mit Telefon- und Telegrafenamt. Telefoniert wurde damals nur zum Vereinbaren eines Arzttermins oder bei Todesfällen. Nach dem Hotel Lerche bekamen die Wirtschaften Tamina und Calanda einen Anschluss, gefolgt vom Lebensmittelladen und von der Bäckerei. Auch Hermann Jäger liess sich Anrufe ausrichten. Das änderte sich jedoch, als er verschiedene Ämter übernahm. Er wollte nicht, dass die Nachbarin dauernd ihn ans Telefon holen musste. Daher entschied er sich Ende der 60er-Jahre für einen eigenen Anschluss. Anfang Woche meldete er sich an und Ende Woche konnte er schon im eigenen Haus telefonieren. Die Nummer bekam er von jemandem im Dorf. Noch heute hat Vättis eine eigene Telefonzentrale. Daher beginnen die meisten Telefonnummern in Vättis mit 081 306 … Auch in Vasön hatten zuerst Post und Restaurant ein Telefon. Wie Lydia Kühne von ihrem Mann weiss, musste er bis in den Weiler Langwies Anrufe ausrichten. Hin und zurück macht das immerhin eineinhalb Kilometer. Als Zweiter hatte der Betreibungsbeamte Julius Kühne ein Telefon.

Erstes Tischtelefon: Das hat die Telefondirektion um die vorletzte Jahrhundertwende eingeführt. Bild: Telefonmuseum Telephonica, Islikon TG

Primär Einwegkommunikation

Die Nachbarn ans Telefon zu rufen oder eine Nachricht zu überbringen ging nur, weil früher das Telefon primär für Einwegkommunikation verwendet wurde. Man führte keine Gespräche wie heute miteinander, sondern übermittelte Informationen. Das Telefon in dieser Funktion erlebte auch Hans Fäh am Ende der 40er- und Anfang der 50er-Jahre in Schänis. Im Umkreis von 300 Metern westlich der Hauptstrasse musste er als Kind jeweils Anrufe ausrichten. Die Einwohner ohne Telefonanschluss östlich der Hauptstrasse wurden von einem Restaurant aus gerufen. Oft musste er einen Bauern holen, der zwei Häuser weiter wohnte und mit Heu handelte. Bis dieser eintraf, hatte Fähs Mutter bereits den Boden im Korridor mit Zeitungen ausgelegt. Denn wenn der Bauer direkt aus dem Stall kam, verschmutzte er den Boden.

Musste jemand gerufen werden, konnte es lange dauern, bis die gewünschte Person am Apparat war. Doch die anrufende Person wollte ja etwas mitteilen, und daher sollten die Telefonkosten zu ihren Lasten gehen. Manchmal wollte jemand bei ihnen telefonieren. Um die Kosten zu berechnen, mass man mit einer Telefonuhr die Gesprächszeit. Dazu kam ein Zuschlag fürs Abonnement. Fixe Zeiten für die Benützung des Telefons gab es nicht. Da sein Vater im Haus eine Eisenhandlung führte, war immer jemand da. Selbst ein Bergbauer, der nur am Sonntag ins Dorf runterkam, konnte dann Nägel kaufen und das Telefon benutzen. Solche inoffizielle öffentliche Sprechstellen gab es in jedem Dorf. Für Gespräche innerhalb des Dorfes ging man damals persönlich vorbei. Trotzdem erinnert sich Fäh, dass er mindestens einmal pro Jahr telefonieren durfte: Am Geburtstag seiner Gotte in Zürich gratulierte er ihr per Telefon. So lernte er schon zu Hause, wie man jemanden am Telefon anständig begrüsst und wie man sich verabschiedet. Doch die Mehrheit seiner Schulkollegen hatte kein Telefon. Sie lernten erst in der Klosterschule in Näfels den Umgang mit dem Telefon.

Die Zahl der Privatabonnenten erhöhte sich nur zögerlich. Daher gründeten Telefonverwaltung und Telefonindustrie im Jahr 1927 die Vereinigung «Pro Telephon». Mit Slogans wie «Es Telefon i jedes Hus» versuchte sie, neue Abonnenten zu erreichen. Das gleiche Ziel verfolgte sie 1934 mit folgendem Text in einer Broschüre: «Sie telefonieren beim Nachbar? Sind Sie gewiss, dass er es nicht als Belästigung empfindet? Wären Sie erfreut, wenn man Ihnen zumutete, zu jeder Stunde und bei jedem Wetter Leute ans Telephon zu holen, die dessen Einrichtung auf Ihre Rechnung ersparen wollen?» Die Vereinigung nutzte auch die Landesausstellung von 1939 für ihr Anliegen. Jeder Besucher konnte eine Minute lang gratis mit einem Bekannten im Ausland telefonieren. Während des Zweiten Weltkrieges bot die Telefonverwaltung die «Wehrmanngespräche» an. Jeder Wehrmann konnte zu ermässigtem Preis während drei Minuten mit seiner Familie telefonieren. Damit hielt das Telefon definitiv Einzug in den Privatbereich.

www.ericssonhistory.com

Ein eindrücklicher Zeitzeuge in Sachen Kommunikationsmöglichkeiten: Ein Armeetelefon Modell 1947, das insgesamt 9,5 Kilogramm wiegt. Bild: Mathias Gauer
«Dieser Beitrag stammt aus der Juniausgabe 2011 der ‘Terra plana’.»

Quellen

Stadelmann, Kurt: Ganz Ohr
Telefonische Kommunikation 
Katalog zur Ausstellung 
PTT-Museum Bern 1994
PTT-Archiv, T-00 A_1153/T-00 A_4447/T-15 CD_0012/T-00 A_1417/T-00 A_1711

Karin Heiz/sardona24